Förderliche Blende oder Schärfentiefe

By | 1.April. 2014
Artikel aktualisiert am 04.05.2015

Bei Landschaftsaufnahmen und erst recht bei Nahaufnahmen ist man ja geneigt, im Interesse eines möglichst großen Schärfentiefebereiches abzublenden. Das ist jedoch nicht immer das richtige Mittel.

Einleitung

Bekanntlich nimmt ja ja die Schärfentiefe beim Schliessen der Blende zu, logischerweise je weiter ich schließe, desto größer die Schärfentiefe. Nun ist jedoch mancher Anfänger relativ überrascht, das bei sehr kleinen Blenden es dem Bild an allgemeiner Schärfe fehlt.

Die Phänomen heisst Beugungsunschärfe und entsteht, wenn sich das eintreffende Licht aufgrund der kleinen Blendenöffnung zusätzlich bricht, also abgelenkt wird.

Die sogenannte förderliche Blende bezeichnet jetzt die Blendeneinstellung, die einerseits ein Maximum an Schärfentiefe gewährleistet, anderseits aber den unschönen Effekt der Beugungsunschärfe gerade eben noch vermeidet.

Praxis

Ich habe mal mit der 5D und der 7D mal ein paar Vergleichsaufnahmen gemacht.

Förderliche Blende oder Schärfentiefe

 

 

 

Förderliche Blende oder Schärfentiefe

 

 

 

 

 

Jetzt unabhängig davon, das man bei den hier gezeigten Motiven sicherlich nicht wegen der Schärfentiefe so weit abblenden muss, zeigen die beiden Beispiele doch, das man sich vor zu kleinen Blendenöffnung hüten sollte.

Schon diese Reihe zeigt, das bei der Canon 7D spätestens ab f 11 die allgemeine Schärfe des Bildes leidet, während man bei der Canon 5D MK II noch f 16 verwenden kann.

Dennoch sollte man in beiden Beispielen um die optimale Schärfe über das ganze Bild zu erhalten nicht weiter als f 11 für die 5D und nicht weiter als f 8,0 für die 7D abblenden.

Der Rechner von Elmar Baumann gibt für einen Abbildungsmaßstab von 1:10 eine förderliche Blende von f 49,7 aus, und zwar für das Kleinbildformat. Wir sehen aber in dem obigen Beispiel, das spätetens ab f 22 die allgemeine Schärfe des Bildes leidet.

Wenn wir jetzt als Gegenbeispiel mal eine Nahaufnahme mit dem 100mm/2.8 L nehmen, sieht der Verlust an Schärfe schon etwas anders aus:

Förderliche Blende oder Schärfentiefe

 

 

 

 

 

 

 

Wir sehen am Schriftzug die zunehmende Schärfentiefe, aber spätestens ab f 22 nimmt die knackige Schärfe ab. Hier würde dann nur Stacking helfen.

Fazit

Wir stellen fest, das zu sehr abblenden zwar mehr an Schärfentiefe bringt, die knackige Schärfe über das gesamte Bild aber leidet. Im Nah- oder sogar Makrobereich kommt man mit Stacking weiter, wenn man wirklich viel Schärfentiefe benötigt.

Im Bereich der Landschafts- oder Architekturfotografie sollte man nicht weiter als f 11 abblenden, erst Recht bei APC-Kameras. Das hängt natürlich auch von der Ausgabegröße ab.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem extremen abblenden, funktioniert das für euch, oder habt ihr auch eine maximale Abblendung aufgrund von schlechten Erfahrung. Ich würde mich über Kommentare/Anregungen und natürlich auch Fragen freuen.

ciao tuxoche

[tags]Förderliche Blende,Beugungsunschärfe,Schärfentiefe[/tags]

3 thoughts on “Förderliche Blende oder Schärfentiefe

  1. Axel Wehrtmann

    Der hier genannte Rechner von Elmar Baumann (Link funktioniert leider nicht) nennt „49,7“ als „förderliche Abblendung“. Diese beschreibt eine Abblendung, bei der alleinig die Beugung so stark ist, dass Fotos „so gerade eben noch scharf“ sind. Da jedoch Schärfentiefe nichts anderes ist als eine Art „unbemerkter“ Unschärfe, liegen also zwei Unschärfen gleichzeitig vor, die sich summieren: Die Unschärfe durch die Schärfentiefe (vgl. „Streukreisdurchmesser“) und die Unschärfe durch die Beugung (vgl. „Beugungsscheibchendurchmesser“).

    In der Praxis heißt das: Von der „förderlichen Abblendung“ ausgehend (ca. „45“ beim Vollformat und ca. „32“ bei Crop-Sensoren) muß die Blende mindestens um zwei Stufen geöffnet werden, um eine gerade noch akzeptable Schärfe zu erhalten. Dadurch kommt man auf eine maximal empfohlene Abblendung von „22“ beim Vollformat und von „16“ bei Crop-Sensoren, bei erhöhten Ansprüchen an die Schärfe sogar auf eine noch geringere Abblendung (was im Einklang steht mit den oben gezeigten Ergebnissen).

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  2. Winfried

    ich hab das auch mal vor Jahren für mich verifiziert:
    http://web57.ws/blog/das-ding-mit-der-beugung/

    mein persönliches Resumee z.Z, je nach Objektiv, Motiv, Anspruch und Bearbeitung, kann man auch weit in den Bereich hinein abblenden, in dem Beugungsunschärfen eigentlich am Monitor unübersehbar sichtbar sind.
    Besonders im Makrobereich, bewirkt der Eindruck des Gewinns an Tiefenschärfe für den Normalbetrachter, dass ihm der Verlust der allgemeinen Schärfe gar nicht so schnell auffällt. Im Fernbereich, also Architektur oder Landschaft ist das schon problematischer, geht eigentlich gar nicht.

    Schlußendlich spielt aber auch das Ausbelichtungsformat und der damit verknüpfte, sozusagen statistisch übliche, Betrachtungsabstand eine Rolle.
    So „grässlich“ da sichtbare Beugungsunschärfen bei den modernen Pixelboliden am Monitor aussehen können (nicht nur die), ausbelichtet wirkt das ganz anders.
    Da ich viel ausbelichten lasse, passiert es mir auch nicht mehr (im Gegensatz zu meinen digitalen Anfängen) das ich ein Bild, nur weil es auf dem Monitor in 100% Ansicht schei*** aussieht, voreilig lösche.
    Ich beurteile in der Hinsicht (to del or not to del) die Qualitäten, die ein Bild in der Ansichtsgröße meines 1920*1200 Monitors hat. Da hatte man auch schon ein bisschen Skalierungsreserven bei einer 10D oder 20D , bei einer 5DII sind sie beträchtlich.

    Muß jeder für sich selber rausfinden, wo für ihn und seine Belange die Grenzen liegen! Ich bin eher pragmatisch und orientiere mich am Verwendungszweck und der Ausbelichtungsgröße, andere mögen die technische Perfektion in der 100% Monitoransicht.

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    1. Peter Post author

      Das war auch kein Plädoyer für vorzeitiges Löschen, und klar muss jeder für sich und seine Ausrüstung heraus finden, wo er persönlich die Grenze sieht. Aus der analogen Zeit habe ich aber die Erfahrung gemacht, das für ein 18×24 oder 20x30cm die Anforderungen an Schärfe höher waren als für ein 50×70, weil letzteres in einem größeren Abstand betrachtet wird.

      In jedem Fall danke für deinen Kommentar

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