Stacking

By | 17.Mai. 2013
Artikel aktualisiert am 27.08.2013

Fehlende oder knappe Tiefenschärfe kann ja die Bildwirkung erhöhen, um Personen oder Gegenstände freizustellen, also durch einen in Unschärfe zerfliessenden Hintergrund. In der Nah- und Makrofotografie ist die Tiefenschärfe aber ohnehin knapp und meistens reicht selbst ein kräftiges Abblenden nicht aus, um das Objekt der Begierde vollständig scharf aufnehmen zu können.

Aber das Abblenden hat ja seine Grenzen, weil man sich durch zu starkes Abblenden über die förderlich Blende hinaus Unschärfen einfängt, die das Bild dann insgesamt weniger knackig erscheinen lassen. Erfahrungsgemäß gehe ich bei der 7D selten über F=8 hinaus, während an der 5D MK II F=11 oder je nach Motiv auch mal eine F=16 noch nicht einen zu starken Beugungsunschärfe führen.

Stacking

Und selbst bei F= 16und einen Abbildungsmassstab von 1:1 beträgt die Schärfentiefe gerade mal 2 mm, also nicht ausreichend, um ein Insekt, eine kleine Blume insgesamt scharf abzubilden. Bei dem Bild rechts handelt es sich um eine Abbildung im Maßstab 1:1, die bei Blende 8 entstand. Der Schärfebereich umfasst gerade mal die Blütenspitzen, mehr aber auch nicht.

Sicherlich kann es aus gestalterischen Gründen sinnvoll sein, mit der Schärfentiefe zu spielen und das Setzen des Schärfepunktes das wesentliche im Bild hervorzuheben, aber es gibt auch Situationen, in denen man sich wünscht vielleicht das gesamte Objekt in seiner Gänze scharf abzubilden.

Die Technik dazu nennt sich Stacking, bei dem mehrere Bilder, die an jeweils unterschiedlichen Stellen scharf sind, in der Software in einem Stapel übereinander gelegt werden. Die Software sorgt dann dafür, das aus jeden Bild nur der scharfe Teil extrahiert wird, und alle scharfe Teilbilder zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden.

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Das Endergebnis sollte dann so aussehen, wie auf dem Bild auf der linken Seite, bei dem nicht nur Blüte, sondern auch die dahinterliegenden Kakteenspitzen durchgängig scharf sind. Das ist zwar vielleicht nicht für jedes Motiv erstrebenswert, demonstriert aber gut die Wirkung. (zu den Bildunterschieden sei nur gesagt, das das fertige Bild in Kontrast und Farbsättigung natürlich bearbeitet wurde)

Aber bevor wir an das Zusammensetzen der Aufnahmen gehen, schauen wir uns erst einmal die Aufnahmeseite an.

Man braucht nicht unbedingt ein Macro-Objektiv, das geht zum Ausprobieren auch durchaus mit Vorsatzlinsen, es muss auch nicht unbedingt ein Abbildungsmasstab 1:1.

Wenn man aber vergegenwärtigt, das bei dieser Aufnahmentechnik mehrere Aufnahmen (bei dem Beispiel waren es 40 Aufnahmen) übereinander gelegt werden, sollte nach Möglichkeit der gewählte Ausschnitt so konstant wie möglich sein. Die Technik ist damit etwas für das Aufnehmen vom Stativ aus, und zwar ein möglichst stabiles, so stabil wie möglich. Man glaubt gar nicht wie sehr der Ausschnitt sich ändert, wenn man nur kurz die Kamera antippt. Das Stativ sollte also wirklich stabil sein, und bei größeren Abbildungsmasstäben sind auch Kabelauslöser und Spiegelvorrausauslösung eher Pflicht. Bei größeren Abbildungsmasstäben wird auch oft dazu übergegangen, nicht die Kamera sondern das Objekt zu bewegen. Im Makro-Forum wird ein Beispiel im Masstab 60:1 gezeigt, ich kann nur sagen, beeindruckend.

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Jetzt muss aber zwischen den Aufnahmen die Schärfeebene verlagern, und zwar in umso geringeren Abständen je größer der Abbildungsmaßstab. Das Objektiv selbst befindet sich dabei im manuellen Modus. Manche bekommen das ja vielleicht hin, die Kamaera/Objektiv auf manuellen Fokus zu stellen, und die Schärfeebene durch Verstellen des Fokusringes zu verstellen. Das wäre mir zu fummelig 😉 und außerdem bin ich nicht so geduldig.

Sehr gut geht das mit einem guten Einstellschlitten, wie hier gezeigt, z.B. von Novoflex. Es kann auch sicherlich ein Exemplar von RRS oder Kirk sein, nur bitte Stacking nicht solchen Schlitten versuchen, die als Doppelschlitten für ca. 50 ,– € angeboten werden ;-(

Mit einem solchen Einstellschlitten kann man nun sehr gleichmäßig den Objektabstand verringern, in dem man zwischen jeder Aufnahme je nach Aufnahme mit einer, 1/2 oder gar 1/4 Umdrehung den Kamera in Richtung Objekt wandern lässt. Wieviele Aufnahmen man benötigt, ist Erfahrungssache oder man fängt an zu rechnen 😉

 

StackingIm Makro-Forum hat ein User eine eigentlich simple Modifikation des Novoflex Schlittens vorgestellt, die das Verschieben ein gutes Stück präzisiert. Der Schlitten fährt mit 1 Umdrehung des Verstellrades knapp 1,5 cm, so dass im obigen Beispiel mit F= 11und der ein zurechnenden Überlappung 10 sehr kleine Teildrehung erforderlich sind, um insgesamt einen Bereich von etwa 1 cm scharf zu haben.

Jetzt gibt es aber auch Programme, die das Stacking erledigen können. Eine dieser Vertreter ist DSLRMaster, ein Programm für Windows und nur für Canon Cameras und Shareware

Das Programm erlaubt es den Fokus des Objektives in kleinen Schritten zu verschieben, die Anzahl der Aufnahmen zu bestimmen und ob der Fokus von vorne nach hinten oder vice versa wandern soll. Zusätzlich läßt sich auch die Schrittweite des Fokusänderung bestimmen.

Allerdings sind die Parameter, vor allem die Schrittweite beim Fokus selbst auszutesten, da hier keine absoluten sondern nur relative Werte angegeben werden können (gerade die Schrittweite ist Objektiv spezifisch). Ich habe das Programm einige Zeit benutzt, es hat aber den Nachteil das man einen PC oder Laptop braucht. Ich habe es seinerzeit von einem Netbook (Samsung NC10) aus benutzt, auf dem Windows XP lief. Vulpesoft arbeitet gerade an der Version 2.0.

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Ein anderer Kandidat ist DSLRController, eine App für Android Tablet und Handys. Diese gestatte ebenfalls das Stacking in etwa der gleichen Weise wie DSLRMaster, hat aber den Vorteil, das man nicht ein zusätzliches Notebook benötigt.

Ich denke aber, das sich Vorteil der Android App wieder relativieren wird, sobald mehr der kompakten Windows 8 Tablets vorhanden sind.

Obwohl DSLRController als Beta kategorisiert ist, funktioniert sie erstaunlich gut (ich habe sie mir in der Version 0.96.0 vom letzten Semptember installiert und erst in den letzten Wochen sind 2 Updates gekommen). Ich habe sie vorher auf einen Samsung 7.0 Tablet betrieben, und habe damit mehre meine Pilzaufnahmen gemacht. Jetzt betreibe sie auf einem Galaxy S3 Handy.

Stacking

Auch beim DSLRController muss man austesten, welche Schrittweite beim Focus Stacking je nach Objektiv und je nach Abbildungsmasstab am besten passt. Hier kann man ebenso wie bei DSLRMaster die Richtung und auch die Schrittweite sehr weit anpassen.

Es gibt auch noch App für das IPad, aber da kann ich nicht mitreden.

Damit wäre die Aufnahmeseite schon einmal im Prinzip geklärt. Jetzt haben wir ein Stacking geschossen, und es geht an die Bearbeitung.

Jetzt haben wir 30 oder 40 Aufnahmen, die wir durch eine Software schicken müssen, die aus diesen Aufnahmen den jeweils scharfen Teil extrahieren und dann alle Teile zu einem insgesamt scharfen Bild zusammensetzt.

An Software gibt es da z.B. HeliconFocus, von dem man sich eine Testversion herunterladen kann. Daneben gib tes auch noch Zerene Stacker, von dem es ebenfalls eine Testversion gibt. Man kauft also nicht die berühmte Katze im Sack.

Möchte man in die Technik erstmal reinschnuppern ist CombineZP in jedem Fall eine Alternative, es ist kostenlos und bietet verschiedene Algorithmen, um Fotos zu stacken. Ich benutze es immer noch, um eine Option zu haben. CombineZP hat lediglich einen Nachteil, es kann zwar 16-Bit Tiffs lesen, aber nur 8-Bit Tiff speichern kann.

Ich benutze in der Regel Photoshop CS 6 aus Lightroom heraus, um die Fotos zu stacken. Hat man die zu stackenden Fotos in Lightroom markiert, kann man direkt aus Lightroom heraus den Stack-Prozess starten. Wenn man allerdings 30-40 Aufnahmen zu stacken hat, sollte genügend RAM vorhanden sein, weil ein 16-Bit Tiff von einer 5D MK II ist schon knapp 130 MB gross 😉

Manchmal entstehen beim zusammensetzen der Bilder sog. Halos, die kann entweder daran liegen, das zu wenig Aufnahmen vorhanden sind, oder weil es sich um extrem ungünstige Lichtverhältnissse z.B. Gegenlicht handelt. Solche Fehler kann man teilweise noch mit Photoshop oder Lightroom reparieren.

So das war’s von mir zu dem Thema, eine Beschreibung wie ich es mache. Vielleicht konnte jemand den einen oder anderen Tipp erhaschen, in jedem Fall freue ich mich über euere Kommentare.

ciao tuxoche

[tags]Makroschlitten,DSLRController,DSLRMaster,Zerene Stacker, Helicon Focus, Photoshop[/tags]

 

3 thoughts on “Stacking

  1. Sascha Hojzakowa

    Hey Peter,
    vielen Dank für die super Informationen und Deine Mühe alles so übersichtlich zusammen zu fassen. Danke auch für die Links, „stacking“ ist wirklich ein spannendes Thema. Viel Erfolg und beste Grüße,
    Sascha Hojzakowa | Jack the Flipper

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