Hände weg vom DNG Format?

By | 8.Oktober. 2019

Mit schöner Regelmäßigkeit flammt in Foren oder auch in sozialen Medien eine Diskussion auf, warum man seine Fotos nicht nach DNG konvertiert oder die Kamera Hersteller sich offenbar nicht auf DNG einigen Können.

Einleitung

Das DNG Format führt fast zu einer Glaubensdiskussion und ich stehe dem DNG Format kritisch gegenüber. Das Format ist der Versuch von Adobe, die Anzahl der verschiedenen RAW Formate einzuschränken, was natürlich der eigenen Softwareentwicklung und Pflege entgegenkommt.

Wer Adobe Photoshop CC oder Lightroom sein eigen nennt besitzt schon die nötige Software, um RAW Formate nach DNG zu konvertieren. Ansonsten ist der DNG Konverter kostenlos auf der Adobe Seite herunter ladbar.

Wir schauen uns erst einmal an, wie die Konvertierung möglich ist und werden uns dann mit den Argumenten für oder gegen DNG auseinandersetzen.

Dazu habe ich auch ein Video online gestellt:

Konvertierung

In Lightroom stehen uns grundsätzlich 2 Optionen zu Konvertierung zur Verfügung. Zum einen kann man schon Import seiner Bilder diese in DNG umwandeln und dem Katalog hinzufügen. Zum anderen ist es möglich zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt ausgewählte Fotos nach DNG zu konvertieren. Das können per Hand markierte oder natürlich auch vollständige Sammlungen sein.

Ich unterstelle jetzt, dass die sog. verlustbehaftete Komprimierung, die im Auswahlmenue als „verlustreich“ bezeichnet wird, keine Rolle spielt, denn damit erzeugt man ein 8 Bit DNG. Dann besteht noch die Auswahl, ob eine Vorschaudatei mittlerer und in voller Größe gespeichert werden soll.

Man kann schließlich noch auswählen, ob das RAW File in das DNG eingebettet werden soll. Das erzeugt natürlich erhebliche größere Dateien und führt ein Argument als Vorteil für DNG „kleinere Dateien“ ad adsurbum. Später extrahieren kann die Original RAW Datei auch nur mit dem DNG Konverter, Lightroom bietet hier keine Option an.

Die Vorteile von DNG

Folgende Vorteile werden von Adobe aber auch den Befürwortern des DNG Formates genannt:

  • offener Standard, der jedem (Kamera-)Hersteller zur Verfügung steht und damit eine größere Zukunftskompatibilität sichert
  • Schnellere Entwicklung
  • Kleinere Dateigrößen
  • Integritätsprüfung
  • keine XMP Dateien erforderlich

Offener Standard

Adobe hat diesen Standard im Jahre 2004 veröffentlicht und hat seither mehrere Ergänzungen erfahren. Trotzdem gibt es recht wenige Kameras, die DNG erzeugen (können), da wären Leica und DJI mit seinen Drohnen. Einige Smartphones können ebenfalls DNG Dateien erzeugen.

In dem hart umkämpften Markt wollen die Hersteller Alleinstellungsmerkmale haben und da wird es mit einem gemeinsamen Standard schwierig. Und ich bin kein Jurist, aber wer würde es Adobe verbieten, wenn sich einmal Kamerahersteller auf DNG eingelassen haben, zukünftig Lizenzen zu vergeben?

Und es gibt ja sicherlich schon Erweiterung oder Ergänzung zum letzten Standard (Version 1.4), denn warum sonst wird beim Konvertieren die Kompatibilität zu verschiedenen Camera RAW Version abgefragt.

Abschließend sei auch erwähnt, dass manche Bildbearbeitungsprogramme Probleme zumindest mit konvertierten DNG Dateien haben.

Schnellere Entwicklung

In den Einstellungen zur Konvertierung soll man grundsätzlich „schnelladende Dateien“ aktivieren. Damit wird wohl die DNG Datei in mehrere Teilstücke an das Entwicklungsmodul übergeben und man kann dort schneller arbeiten und es werden auch die CPU-Kerne besser ausgenutzt.

Hier bezweifele ich, ob dieser Gewinn jemals die Zeit, die man schließlich für das Konvertieren zusätzlich aufwenden muss, wieder ausgleicht.

Kleinere Dateigrößen

Immer wird dieses Argument ins Feld geführt, dass man durch die grundsätzliche Verwendung von DNG Dateien Speicherplatz auf seinen Festplatten spart. Das ist zwar zutreffend, aber angesichts der Kosten für Festplatten mit ca. 25 ,– €/TB eigentlich kein Problem mehr.

Die kleineren Dateigrößen werden zum größten Teil dadurch erzielt, dass die eingebettete JPEG-Vorschaudatei erheblich reduziert wird. Nehme ich die RAW’s meiner Canon 6D MK II, so sind die Dateien ca. 38 MB groß. Extrahiere ich z.B. mit exiftool die Vorschaudatei dann ist die voller Auflösung und mit ca. 7MB Größe in einer sehr guten Qualität.

Werden bei der DNG Konvertierung die Vorschauen in mittlerer Größe erstellt, dann wird dieses Vorschau mit 1024x663px (genaue Zahl hängt vom Seitenverhältnis ab) erstellt. Möchte ich die Vorschaudatei in der von der Kamera zur Verfügung gestellten Auflösung beibehalten, dann reduziert sich die Ersparnis auf 1-1,5 MB/Bild.

Erstelle ich als Hobbyfotograf 30.000 Bilder/Jahr, dann reden wir über eine Ersparnis von 30-60 GB, also umgerechnet ca 1,50 €. Und selbst wenn ich diesen Betrag wegen der erforderlichen Datensicherung verdreifache ist er nicht der Rede wert.

Integritätsprüfung

In Lightroom ist eine Integritätsprüfung integriert, die wohl die vorhandenen DNG Datei aufgrund einer beim Konvertierung erzeugten Prüfsumme überprüft.

Eine solche Prüfung ist in der Lage z.B. die doch recht seltenen Bit-Kipper zu erkennen, allerdings ist diese Überprüfung im wesentlichen eine Sache des hoffentlich vorhandenen Backups. Man fragt sich aber auch, warum eine solche Überprüfung nur für DNG vorhanden ist.

Keine XMP Dateien mehr erforderlich

Bei einem solchen Argument fragt man sich, warum benötigt man überhaupt (noch) XMP Dateien. Lediglich beim Bearbeiten eines Bildes in Photoshop CC wird auch eine XMP-Datei erzeugt. Ansonsten befinden sich aber Daten im Katalog.

Hier wohl eher die Weitergabe von RAW-Dateien gemeint (Presse/Werbung), wo man mit der Weitergabe der DNG Datei keine gesonderte XMP Datei weitergeben muss.Das mag vielleicht für manche Profis zutreffen, nicht aber für uns Hobbyfotografen, und das funktioniert auch nur innerhalb der Adobe Welt.

Nachteil für die Datensicherung

Das DNG Format enthält alle Metadaten und auch Angaben über die Entwicklung. Damit muss aber bei jeder noch so kleinen Änderung im DNG Format die vollständige Datei mit je nach Kamera 25-30 MB gesichert werden.

Fazit

Obwohl ich selbst zumindest für Timelapse Aufnahmen einmal das DNG Format benutzt habe, benutze ich dieses Format schon seit längerer Zeit überhaupt nicht mehr.

Kommt noch hinzu, dass ich beim Löschen der RAW Datei ein Gefühl habe, als wenn ich ein Negativ oder Dia wegwerfen würde und zu guter letzt, kann ich bei einem konvertierten DNG noch den Nachweis meiner Urheberschaft führen?

ciao tuxoche

 

 

4 thoughts on “Hände weg vom DNG Format?

  1. Bernhard

    Hallo Peter,
    danke – der Artikel deckt sich – wenn auch teilweise anders argumentiert – mit meiner Meinung zum dng-Format.
    Interessant fand ich aber Deinen Hinweis auf den Zusammenhang zwischen der jpg-Vorschau-Datei und der Speicherplatz-„Ersparnis“ bei der Umwandlung. Das hatte ich so bisher noch nicht auf dem Schirm …
    (P.S.: Pentax kann wohl auch DNG out-of-cam)

    Reply
    1. Peter Post author

      Danke dir Bernhard,
      mit der Vorschaudatei ist es tatsächlich so, lässt man die in voller Größe ist die Ersparnis nicht mehr der Rede wert. Penatx hatte ich jetzt nicht auf dem Schirm, aber danke für den Hinweis

      Reply
  2. Michael Hentsch

    der Artikel hat mir Spaß gebracht – Du hast sehr schön die Argumente aufbereitet, die ich seit Jahren so mehr diffus im Kopf hatte und die zur Nichtverwendung von DNG geführt haben – aber mehr so aus Bauchgefühl heraus, wenn Du verstehst was ich meine… 😉

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