Darktable keine Lightroom Alternative II

By | 30.Januar. 2018

Im ersten Teil ging es um die Installation von Darktable, den Import von Fotos und das Entwicklungsmodul. Heute geht es um die weitere Features des Open-Source RAW Konverters.

Geotagging

Darktable beherscht sogar Geotagging, d.h. die Informationen aus einem Geo-Logger auf die Bilder zu übertragen. Dazu benötigt man lediglich die passende GPX Datei und markiert die gewünschten Fotos. Sogar eine Zeitdifferenz kann man einstellen, wenn man z.B. vergessen hat die Kamera auf Sommerzeit umzustellen.

Mit der anschließenden Kartendarstellung gibt es allerdings Probleme. Man kann zwar verschiedene Kartenmodule benutzen und ist so z.B. nicht auf Google fixiert, aber der Kartenausschnitt wird bei einem ausgewählten Bild nicht entsprechend der Geodaten angepasst.

Das getaggte Foto sieht man nur, wenn man manuell oder über die Postionssuche den Kartenausschnitt entsprechend ändert. Auch den umgekehrten Weg, als z.B. im Kartenmodul eine Position zu markieren und deren Geo Daten auf die gerade ausgewählten Bilder zu übertragen, scheint (noch) nicht vorhanden zu sein.

Stichwortverwaltung

Neben den aus den Exif-Daten ermittelten Stichwörtern, die ja nur Aufnahmedatum, Kamera, Objektiv, ISO usw. enthalten, lassen sich in Darktable natürlich auch weitere Stichwörter den Fotos zuordnen, die dann auch ihren Weg in die bereits erwähnten XMP-Dateien finden. Von der Benutzerschnittstelle her empfinde ich die Stichwortvergabe als umständlich, weil auch immer gefühlt 1 Sekunde Wartezeit hinzukommt, bis man tatsächlich sieht, ob das Stichwort dem Bild tatsächlich hinzugefügt wurde. Während man bei den Metadaten für den Ersteller/Copyright Voreinstellungen definieren kann, fehlt diese Option hier. Außerdem vermisse ich schmerzlich eine hierarchische Stichwortliste.

Obwohl der untere Teil des Fenster so etwas wohl darstellen soll, von hier aus kann man per markieren und klicken auf „anhängen“ das betreffende Stichwort einem Bild zuweisen. Damit ist zumindest ausgeschlossen, dass Stichwörter neu und damit evtl. falsch eingegeben werden. Allerdings ist diese Implementierung weit entfernt von einer funktionierenden Stichwortliste.

Das Filtern der Fotos z.B. in der Leuchttisch Anzeige geht dafür relativ bequem. Man kann sowohl nach den Exif Daten als auch einer Filmrolle (entspricht einem Import) oder natürlich auch den Stichwörtern (Tag) filtern. Man kann die Suche mit der Verknüpfung weiterer Parameter verfeinern und man kann die Suchparameter auch logisch verknüpfen (alles UND oder ODER und AUSSER)

Gruppierungen

Inhaltlich/Sachlich zusammenhängende Aufnahmen kann man unter Darkroom zu einer Gruppe zusammenfassen. Das entspricht am ehesten in Lightroom einem Stapel. Nach der Gruppierung erscheint auf dem Leuchttisch nur das oberste Foto. Hier fehlt die Option diese erste Bild festzulegen und mir fehlt auch eine Anzeige im obersten Bild, wie viele Bilder sich in dieser Gruppe befinden. Ansonsten aber ein nützliches Feature.

HDR

Kaum ein RAW Konverter lässt heute das Thema HDR aussen vor, Lightroom z.B. hat es ebenfalls implementiert, da gibt es doch einige Tools, auch kostenlose, die die Erzeugung von HDR Bildern erlauben. Darktable ist da in guter Gesellschaft und erlaubt sowohl aus einem als auch mehreren RAW Dateien die Erzeugung einer HDR Aufnahme.  Das Ergebnis wird als DNG Datei abgelegt.

Wir nehmen einmal 2 Aufnahmen als Basis:

Darktable keine Lightroom Alternative II

Darktable keine Lightroom Alternative IIDas Ergebnis sieht allerdings mehr als bescheiden aus, vollkommen falsche Farben im Extremfall oder aber in jedem Fall zu dunkel. Hinzu kommt, dass es offenbar Probleme mit dem DNG Format gibt, den ich bin nicht in der Lage, die in Darktable erzeugte DNG Datei in Photoshop CC oder Lightroom Classic zu öffnen.

Probleme

Darktable ist bei Anpassung des Bildes im Entwicklungsmodus relativ langsam. verändere ich z.B. die Belichtung muss sozusagen ein Moment abgewartet werden, bevor die Vorschau aktualisiert wird. Dies ist bei der Bearbeitung recht hinderlich.

Problematisch finde ich die fehlenden Vergleichsansicht sowohl auf dem Leuchttisch als als in der Dunkelkammer. Es gibt auch keinen externen Editor Aufruf und letztlich kann man nicht verschiedene Kataloge anlegen.

  • langsame Anpassung der Ansicht nach Veränderung Parameter
  • umständliche Stichwortvergabe
  • nur 1 Katalog möglich
  • keine Option XMP Dateien abzuschalten
  • Darstellungsprobleme beim Leuchttisch
  • Kartendarstellung beim Geotagging
  • HDR Export als DNG funktioniert nicht einwandfrei

Fazit

Darktable ist für eine Open-Source Anwendung recht weit gediehen und ich muss fair sein, da es sich erst um die Version 2 handelt. Darktable ist sicherlich als vollwertig zu bezeichnen und man kann durchaus mit diesem Programm seinen wesentlichen Aufgaben erledigen. Im direktem Vergleich zu Lightroom fehlen natürlich noch eine Menge auch an Bequemlichkeiten, die den Ablauf bei der Bearbeitung flüssiger machen.

Dafür ist Darktable z.B. beim Batch-Export von JPEG Dateien recht schnell, hier benötigt Darktable für 134 Fotos lediglich 9:26 min. für den vollständigen Export.

Allerdings ist noch einiges an Optimierungsbedarf in der Dunkelkammer vorhanden, weil es hier teilweise doch schon recht lange dauert, bis die Vorschau entsprechend den Einstellungen angepasst wird. Zusammen mit der teilweise gewöhnungsbedürftigen Bedienung ist Darktable (noch) keine Alternative zu Lightroom, obwohl es sicherlich einige geben wird die für sich entscheiden, bevor ich mich auf ein Abo Modell einlasse, benutze ich lieber Darktable.   Darktable ist auf dem richtigen Weg, aber es hakt an einigen Stellen noch. Trotzdem ziehe ich den Hut vor den  Entwicklern, weil es hier schließlich um ein Open Source Programm geht.

ciao tuxoche

8 thoughts on “Darktable keine Lightroom Alternative II

  1. t4r

    Hej tuxoche,
    ich nutze seit Jahren Darktable und Lightroom parallel.
    Dein Votum kann ich unterstützen, aber nicht die Gründe.
    Auf einem Linux-System ist darktable sehr schnell, schneller als Lightroom. Der Windows port von darktable ist gefühlt langsamer, was wohl an den vielen Rufen von Programmen und Bibliotheken liegt, die nicht natürlich zu Windows gehören.
    Technisch ist darktable Lightroom überlegen, d.h. Funktionsvielfalt.
    Wo darktable Lightroom aber unterlegen ist, das sind einfache, automatisierte Benutzerführung und Farbdarstellung.
    Beispiele: den Schwarzpunkt finde ich unter Belichtung, den Weißpunkt erst in Schatten und Spitzlichter. Lokale Anpassungen muss ich mir erst durch Kopien einiger Module zusammenklicken und Masken einzeln zuweisen (die Übersicht geht verloren), anstatt sie einmal komplett einer Maske zuordnen zu können. Das Modul Farbbereiche ist technisch sicherlich richtig, aber über die Kurvenlogik ein Graus für die Bedienung. Die Maske für die Schärfung muss man sich über parametrische Masken selbst zusammenbauen.
    Die Erklärungen der Module sind dürftig, es fehlt schlicht an griffigen Beispielen wofür sie geeignet einzusetzen sind. Die Maskenmodi von darktable sind sehr umfangreich und durchdacht, überfordern aber teilweise das Benutzerverständnis. Die xmp-Dateien sind nicht von Menschen lesbar, weil alle Bildmodifikationen als Hex Blob gespeichert werden.
    Diese tiefergehenden Argumente finde ich aber in dem Artikel nicht.
    Ich nutze darktable nur noch zur Sichtung und Verschlagwortung meiner Photos. Die xmp-Dateien überführe ich dann in Lightroom und bearbeite dort die Photos final.
    Viele Grüße,
    t4r

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    1. Peter Post author

      Hallo,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich glaube gerne, dass Darktable unter Linux schneller ist. Ob technisch Darktable wirklich Lightroom überlegen ist, da habe ich noch meine Zweifel.

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  2. Bernhard

    Nachtrag: es gibt in den „zentralen Optionen“ einen Eintrag: „Für jedes Bild Begleitdatei schreiben“ – kann man ein- oder ausschalten 🙂

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    1. Peter Post author

      Hallo Bernhard,

      vielleicht ist diese Option bei Linux oder in der mittlerweile verfügbaren 2.4.1 Version vorhanden, aber in der Version 2.4 nicht. Das gleichzeitige Schreiben in die DB und die XMP belastet einfach die Performance, vor allem, wenn wie bei Darktable dokumentiert (nicht ausprobiert) die Historie abgespeichert wird.

      Wie ich dann jetzt entdecke, ist die online HTML Version wohl offenbar neuer (2.4) während sich das verfügbare PDF noch den Stand 2.2 zur Basis hat. Und dort wird das Abschalten der XMP Option nicht empfohlen. Man könnte jetzt auf XMP verzichten, vielleicht würde Darktable besser die Stichwortvergabe etwas schneller. Dann muss ich nur dafür sorgen,. dass mit der DB nichts passiert.

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  3. Bernhard

    mal auf die Schnelle ein paar Bemerkungen dazu:
    – Geotagging: unten den Filmstreifen einblenden und dann einfach die Bilder per Drag und Drop auf die gewünschte Position ziehen. https://www.darktable.org/usermanual/en/map_chapter.html#map_overview
    P.S.: die Zeitkorrektur ist auch nützlich, wenn Kamera-Uhrzeit nicht exakt ist. Ich fotografiere daher immer auf einer längeren Fototour entweder mein GPS oder eine Funkuhr, dann kann ich die GPS-Koordinaten sekunden- und damit (fast) metergenau zuordnen.
    – Hierarchische Stichwortliste: kein Problem: Stichwörterebenen nacheinander, mit ‚|‘ getrennt eingeben. Im Leuchttisch kann man dann links, wenn man von Filmstreifen auf Tags umstellt, durch eine Baumdarstellung navigieren https://www.darktable.org/usermanual/en/tagging.html
    – Stichwortvergabe: wenn Du etliche (hierarchische) Stichworte vergeben hast, sind die in der Datenbank vorhanden. Dann reicht es, in die Zeile, in der Du neue Stichwörter eingeben kannst, einfach eine Zeichenfolge einzugeben, und die bekannten Stichwörter dazu werden als Vorschlag eingeblendet.
    Europa|Deutschland|Baden-Wuerttemberg|Freiburg sei das Stichwort. Es genügt dann z. B. „Baden“ einzugeben, und alle Tags werden vorgeschlagen, in denen das vorkommt, hier also: Freiburg. Ich wüßte nicht, wie das einfacher gehen sollte.
    – zur Geschwindigkeit: hab ich – unter Linux zumindest – kein Problem, da ist Gimp ’ne ganz andere Hausnummer:
    https://www.youtube.com/watch?time_continue=10&v=jY1w93fWr1Y#
    Rechner ist ein 4 1/2 Jahre alter i5 mit Onboard-Grafik
    – was an xmp-Dateien schädlich sein soll, erschließt sich mir nicht. Die Dinger sind ein paar kB groß, und wenn je (mir in 4 Jahren nie passiert) was mit der Datenbank sein sollte – einfach die Bilder neu importieren und fertich …

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    1. Peter Post author

      Hallo Bernhard,

      Geotagging hatte nicht bezweifelt, nur wenn man ein Foto anklickt, dann sollte auch der Kartenausschnitt angepasst werden. Die hierarchische Stichwortliste mit dem Pipe Symbol habe ich wohl nicht so gesehen, damit steht fest, dass Darktable es kann, obwohl ich die Implementierung nicht als glücklich oder gar als gut empfinde.
      Zum Thema Geschwindigkeit kann ich nur sagen, dass ich vielleicht ungefähr 200 Stichwörter verwendet habe, und schon hier immer diese Verzögerung feststellen musste. Gimp ist ja ein ganz anderes Thema, solange die nicht die seit Jahren versprochene 16-Bit Unterstützung hinbekommen, werde ich mir das Programm nicht mehr anschauen, obowhl ich das teilweise schon zu meinen Linux Zeiten benutzt habe (und das ist schon Jahre her)
      Die XMP Dateien sind nicht schädlich, aber sie verlangsamen, wenn man importiert oder bei einer größeren Anzahl Änderungen vorgenommen werden, dass war auch bei Lightroom feststellbar, und deshalb ist die Option ausgeschaltet. Wenn diese allerdings eine komplette Historie der Entwicklung enthalten, wäre auch mein RAT XMP schreiben lassen.

      Gruß Peter

      Reply
      1. Bernhard

        Hallo Peter,
        da haben wir uns wohl mißverstanden: mein Hinweis auf das Gimp-Video in Punkto Geschwindigkeit bezog sich auf Deinen Kritikpunkt
        – langsame Anpassung der Ansicht nach Veränderung Parameter
        und darunter hatte ich verstanden, daß Dir der Bildaufbau in der Dunkelkammer zu langsam ist. Daher hatte ich das Video verlinkt, um zu demonstrieren, wie schnell oder langsam das bei mir in darktable läuft (36MP-Bild) – und als Nebeneffekt, was „wirklich langsam“ ist (gimp eben).
        Grüße
        Bernhard

        Reply
        1. Peter Post author

          Hallo Bernhard,
          ok 😉 also als Beispiel dafür was wirklich langsam ist, mag sich Gimp eignen. Allerdings habe ich die letzte Version 2.8.0 oder 2.8.1 nicht als so langsam in Erinnerung. Hat die 2.9 die du ausprobiert hast, vielleicht noch jede Menge Debug Code drinne auch wenn ich weiß, dass das verzögert, aber so extrem auch wieder nicht

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