Grauverlaufsfilter digital

Von | 13.September. 2013

Sind Grauverlaufsfilter überhaupt erforderlich, sind sie durch Bildbearbeitung ersetzbar. Manchmal wird ja in Foren eine Diskussion darüber geführt, ob man in Zeiten der Digitalfotografie überhaupt noch Filter benötigt, schließlich kann man Bilder oder Teile davon aufhellen/abdunklen, mal ganz abgesehen von Weissabgleich, Kontrastverstärkung, Sättigung usw.

Der Vergleich

Grauverlaufsfilter Digital

Filter Vergleich

Ich habe deshalb mal einen Vergleich mit ND-Verlaufsfiltern gemacht, und zwar mit den 0.3,0.6 und dem 0.9 SoftEdge von Hitech

Der Filter mit der Stärke 0.3 bringt zwar einen sichtbaren Effekt, kann aber zur Not in der Filtersammlung fehlen.

Man sieht hier an den Abstufungen, das ein ND-Verlaufsfilter ein mehr an Reserve bringt, vor allem aber wenn die Himmel z.B. wie soll ich es beschreiben fast weiß ist.

Grauverlaufsfilter digital

Beim 2. Bild habe ich den Himmel von einer zusätzlichen, um knapp 2 Blenden unterbelichteten Aufnahme übernommen. Ich hätte mehr Sorgfalt mit der Maske walten lassen sollen, aber man sieht worauf es ankommt.

Durch 2 solcher Bilder kann man durchaus einen 0.9 Grauverlaufsfilter ersetzen und ist aber im Verfahren einer HDR-Aufnahme praktisch gleichzusetzen und setzt entweder Risiko oder wie wie hier die Benutzung eines Statives voraus.

Diese Vorgehensweise hat zudem den Vorteil, das man über Aufhellen/Abdunklen des Himmelsanteils die Bildwirkung oder die Zeichnung variabel beinflussen kann.

Grauverlaufsfilter digital

LR Grauverlaufsfilter

Lightroom 4 verfügt ja auch über Möglichkeit einen Grauverlaufsfilter digital zu simulieren. Der Grauverlaufsfilter wurde mit einer Belichtungskorrektur um -2 EV und heruntergezogenen Lichtern angewandt.

Im Vergleich zu den echten Grauverlaufsfilter fällt allerdings der etwas hellere Bereich oberhalb des Horizontes auf. Dies kann je nach Motiv auch unnatürlich erscheinen, weil über einen echten Grauverlaufsfilter die Abdunklung gleichmäßiger ist. Dies kann man sicherlich über eine genauere Bearbeitung abmildern, aber der Effekt bleibt grundsätzlich.

Grauverlaufsfilter digital

Filter EBV Vergleich

Seit der Version 4 von Lightroom verfügt das Programm über eine ausgefeilte Möglichkeit Lichter und Tiefen individuell anzupassen.

Das habe im nebenstehenden Beispiel einmal bewußt bis zum Anschlag gemacht, hier sind die Lichter auf -100 eingestellt. Noch extremer das Beispiel mit um 2 EV Werte heruntergezogenen  Belichtung und Anhebung der Tiefen um 100. Hiermit könnte man sogar ein 0.9 (fast) ersetzen.

Das ist die Grenze, aber nur um zu zeigen was geht.

Wir müssen uns allerdings vor Augen halten, das bei diesen Aufnahmen der Himmel eben nicht weiss war, und insofern, zumindest bei einer korrekten Belichtung (minimal) Zeichnung aufweist.

Vielleicht als Ergänzung, die Bilder sind bis auf die genannten Bearbeitungen nicht weiter bearbeitet worden (kein Schärfen, Sättigung), aber ich stelle gerade fest, das die Kamera noch einmal eine Sensorreinigung haben muss 😉

Fazit

Wir stellen fest, das in einem gewissen Rahmen, digitale Bildbearbeitung einen Grauverlaufsfilter ersetzen kann (wenn man RAW fotografiert um den maximalen Dynamikumfang der Kamera zu nutzen). Besonders beeindruckend ist der von Lightroom zur Verfügung gestellte Grauverlaufsfilter, da ist einiges an -reserve enthalten, wenn man korrekt belichtet.

Hat man keinen Grauverlaufsfilter dabei, dann kann man vielleicht die Situation durch eine knappe Belichtung retten, weil Aufhellen lassen sich Schatten relativ gut, auch wenn man sich vielleicht ein mehr an Rauschen einfängt. Vor allem hier sind in Lightroom einige Reserven vorhanden, wenn man die Prozessversion 2012 einsetzt. Ein überbelichteter Himmel lässt sich allerdings kaum retten. Allerdings bietet der Grauverlaufsfilter mehr an Reserven, vor allem wenn es um Gegenlicht geht (dann kommt allerdings auch ein Reverse Grad zum Einsatz)

Sicherlich kann man getrost bei der Ausrüstungsplanung einen 0.3 Verlaufsfilter ignorieren, aber trotz der oben gezeigten Beispiele gehört meiner Meinung nach ein 0.6 und/oder 0.9 Verlaufsfilter dazu. Ich plädiere für beide, weil man die auch mal zusammen benutzen kann. Daneben gehören Graufilter dazu und ein Polfilter.

Wie geht ihr damit, habt ihr Grauverlaufsfilter in euerer Ausrüstung, oder werden die im Bedarfsfall durch EBV ersetzt. Hinterlasst mir doch eure Kommentare.

ciao tuxoche

[tags]Grauverlaufsfilter,Digitale Bearbeitung[/tags]

 

11 Gedanken zu „Grauverlaufsfilter digital

  1. Christian Cebulla

    Hallo
    Habe Infos über den Einsatz von Verlauffilter im Netz gesucht und bin auf diese Seite hier gestoßen.
    Ich fotografiere eigentlich schon sehr lange, aber so richtig etwa seit über vier Jahre.
    Früher waren es mehr oder weniger nur einfachen Urlaubsbilder oder Familienfotos.
    Jetzt mache ich überwiegend Wildlife und etwas Landschaft.
    Schon vor ein paar Jahren fragte ich mich ob es besser ist mit Verlauffilter zu arbeiten als mit HDR Technik.
    Aus meine Erfahrung denke ich dass man gerade beim Landschaft manchmal wegen des Lichts schnell reagieren muss. Ich arbeite immer beim Lanschaft-Fotografie so, dass ich zu erst eine geeignete Stelle suche. Dann mache ich denn passenden Ausschnitt, eventuell warte auf besseres Licht und dann mache Belichtungsreihen. Bei dem Einsatz von Verlauffiltern siehe ich die Gefahr dass ich zu viel mich mit der Technik ablenken muss. Filter anpassen , drehen, vorher denn passenden Filter ermitteln etc. Ich habe dann am PC mehr Zeit um zu überlegen was ich mit der Dynamik machen kann. Das Motiv ist mir einfach wichtiger. Ich frage mich ob es wirklich viel besser ist mit Filtern zu arbeiten.
    Was meint ihr?

    1. Peter Beitragsautor

      Hallo Christian,

      wenn du Belichtungsreihen machst, dann geht es auch ohne Verlaufsfilter. Da kann man erst mal mit einer Aufnahme schauen was geht, reicht das nicht kann man ja 2 oder mehrere Aufnahmen aus der Reihe mit einem passen Programm zusammenrechnen lassen

      1. Christian Cebulla

        Hallo Peter,
        Das ist richtig.
        Ich setze mehrere Aufnahmen mit Photoshop zusammen. Habe mir einige gute Techniken beigebracht (Workshops). Das sind wenn ich das so nennen kann manuellen HDR´s. Kann im Bild gezielt bestimmte Bereiche anwählen und ersetzen.
        Der Nachteil ist, dass man ziemlich viel Zeit am Rechner verbringt und bei starken Wind sind die Belichtungsreihen unbrauchbar.
        Bin immer noch am überlegen mir ein Set von Lee zu kaufen. Filterhalter+Adapter+Verlauffilter ca. 250 Euro.
        Das ist viel Geld!

        1. Peter Beitragsautor

          Hallo Christian,

          Also vielleicht mal als Idee, ich habe den Lee Filter Halter gebraucht recht günstig erworben und die Verlaufsfilter sind von HiTech, die sind ein gutes Stück preiswerter, und wie du in dem Artikel schon lesen konntest, würde ich nur 0.6/0.9 filter holen.

          1. Christian Cebulla

            Hallo Peter,
            Gebraucht zu kaufen habe ich schon letztes Jahr überlegt. Sehr selten im Angebot gewesen. Jetzt noch nicht gabraucht gesucht, wegen der Erfahrung vom letztem Jahr.
            Wie ist das mit Hitech, reicht die Höhe von 125mm aus, ich bevorzuge die Grösse 100×125. Ich verwende für Landschaft die Canon 5D mark II mit dem 17-40 Weitwinkel.
            Was ist mit dem original Filterhalter von Hitech ist der gut?
            Wenn du mehrere Filter zusammen legst, hast du Probleme mit Magenta Stich.
            MfG Chris

          2. Peter Beitragsautor

            Hallo Christian,

            die 125’er Filter reichen. Ich habe lange das 17-40 gehabt, bevor ich jetzt auf das 16-35 umgesattelt bin. Mehrere Filter habe ich nur in Kombi 0.9 Grauverlauf + ND 1.2 benutzt, es ist nicht mehr neutral, aber von Magenta-Stich möchte ich nicht sprechen 😉

  2. Matthias

    Danke für den interessanten Artikel. Nach einigen Jahren des Blendings von mehreren Belichtungen gehe ich grad langsam wieder dazu über, Grauververlaufsfilter einzusetzen. Der Grund ist dabei ganz einfach: Ich muss weniger Zeit am PC verbringen. Die Bildbearbeitung geht viel schneller und die versehentlich abgedunkelten Stellen kann ich mit dem Tiefen-Regler leicht wieder zurück holen.

    1. Peter Beitragsautor

      Hallo Mathias,

      danke dir, die ND-Filter können ganz klar helfen aber man hat sie vielleicht nicht immer dabei, deshalb der Artikel. Allerdings hat der Tiefen-Regler seine Grenzen 😉

  3. Kai R.

    Ein interessanter Artikel, der die Möglichkeiten von Software gut beschreibt. Danke für den Link.

    Gruß Kai

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