Lightcraft: Eine Alternative zu Lightroom?

Von | 22.Oktober. 2026

Seit einigen Tagen wird in der Community auf YouTube und anderen Kanälen intensiv über mögliche Alternativen zu Lightroom und Photoshop diskutiert. Im Mittelpunkt stehen dabei Lightcraft und Photocraft. Viele bezeichnen die Apps, die mit Hilfe von KI innerhalb kürzester Zeit entwickelt wurden, bereits als Ersatz für Photoshop, Lightroom, After Effects oder andere Programme.

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Einleitung

Lightcraft: Eine Alternative zu Lightroom?

Was hier in so kurzer Zeit geleistet wurde – oder besser gesagt: was die KI geleistet hat –, ist einerseits beeindruckend, andererseits aber auch ein wenig beängstigend. Artcraft bietet insgesamt zwölf Apps an, die ihren Vorbildern zumindest optisch zum Verwechseln ähnlich sehen.

Vorbilder waren Lightroom Classic, Photoshop CC, After Effects, Premiere Pro sowie Word als Excel, die hier mit KI sozusagen neu geschrieben wurden. Alle Projekte so auch Lightcraft sind auch auf Github veröffentlicht, so dass im Sinne von OpenSpource der Code geprüft werden kann.

Ich habe dazu auch ein Video aufgenommen:

Open Source und auf mehreren Plattformen verfügbar

Lightcraft: Eine Alternative zu Lightroom?

Ein positiver Punkt ist, dass die Apps Open Source sind. Die einzelnen Projekte befinden sich auf GitHub, sodass sich Interessierte den Quellcode ansehen können. Wer sich mit der verwendeten Programmiersprache Rust auskennt, kann außerdem prüfen, ob es möglicherweise versteckte Haken gibt.

Ein weiterer Vorteil ist nicht nur, dass die Programme kostenlos sind, sondern auch, dass sie praktisch alle für macOS, Windows und Linux zur Verfügung stehen. Zusätzlich lassen sie sich im Browser nutzen. Das klingt natürlich sehr interessant. Vor allem die Möglichkeit, einen Photoshop- oder Lightroom-Klon unter Linux zu verwenden, ist verlockend.

Schauen wir uns das Ganze deshalb einmal genauer an.

Installation und erster Eindruck

Die Oberfläche von Lightcraft lässt sich über einen Launcher herunterladen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Lightcraft-App inzwischen bei Version 0.6.0 angekommen ist, während über den Launcher bereits Version 0.9.0 zur Installation angeboten wird. Hier fehlt es möglicherweise noch an einer einheitlichen Versionsverwaltung.

Beim Start von Lightcraft fühlt man sich sofort an die Oberfläche von Lightroom erinnert. In vielen Bereichen sehen sich die Programme tatsächlich zum Verwechseln ähnlich. Diesen Effekt gab es allerdings schon bei der Vorstellung von Rapid Raw, über das ich ebenfalls bereits mehrere Artikel geschrieben habe. Rapid Raw steht übrigens auch für Linux zur Verfügung.

Lightcraft: Eine Alternative zu Lightroom?

Ich habe keinen Vergleich mit Photocraft, der Photoshop-Alternative, durchgeführt, sondern mich ausschließlich auf Lightcraft als Lightroom-Alternative konzentriert.

Alle Apps sind relativ klein und starten sehr schnell. Das dürfte gerade auf einem schwächeren Laptop von Vorteil sein. Auch findet man sich in der Oberfläche schnell zurecht, weil die wesentlichen Bearbeitungsfunktionen dort sitzen, wo man sie auch von Lightroom kennt. Allerdings fehlen noch einige Funktionen, beispielsweise Vorgaben (Presets) und die Kamera-Presets. Letzere sind nur allgmein vorhanden, aber nicht Kameraspezifisch.

Entwicklung von RAW-Dateien im Vergleich zu Lightroom

Beginnen wir mit der grundlegenden Entwicklung einiger RAW-Dateien. In diesem Fall habe ich Aufnahmen mit der Lumix S9 beziehungsweise der Lumix S5IIX verwendet.

Lightcraft: Eine Alternative zu Lightroom?

Schon beim Laden fällt auf, dass die gerenderten Bilder in Lightcraft auf einem 4K-Monitor deutlich unschärfer aussehen als die Darstellung in Lightroom. Das weckt den Verdacht, dass möglicherweise vor allem die in RAW-Dateien üblicherweise eingebetteten Vorschaubilder verarbeitet werden und weniger die eigentlichen RAW-Daten.

Lightcraft: Eine Alternative zu Lightroom?

Allein anhand dieses Vergleichs zwischen Lightroom und Lightcraft kann ich diese Frage allerdings nicht abschließend beurteilen.

Fest steht jedoch: Abgesehen von Farbabweichungen, die bei unterschiedlichen RAW-Konvertern grundsätzlich auftreten können, weil sie die Farbinformationen einer RAW-Datei unterschiedlich interpretieren, sind auch bei der Schärfe deutliche Unterschiede zu erkennen. Das wird spätestens dann sichtbar, wenn man die Exporte in voller Größe aus Lightcraft und Lightroom nebeneinanderstellt – so, wie ich es hier gemacht habe.

Lightcraft: Eine Alternative zu Lightroom?

Vergleich mit älteren RAW-Dateien

Man könnte nun vermuten, dass die Unterschiede darauf zurückzuführen sind, dass die RAW-Unterstützung für die Lumix-Kameras noch nicht vollständig implementiert ist. Schließlich sind sowohl die Lumix S9 als auch insbesondere die Lumix S5IIX und ihre RAW-Dateien noch vergleichsweise neu.

Lightcraft: Eine Alternative zu Lightroom?

Deshalb habe ich denselben Vergleich – ohne daraus einen umfassenden Test machen zu wollen – auch mit RAW-Dateien beziehungsweise Aufnahmen der Canon 6D Mark II durchgeführt. Diese Kamera ist schon deutlich älter und befindet sich inzwischen nicht mehr in meinem Besitz.

Bei diesen Dateien ist der Effekt zwar nicht ganz so ausgeprägt, der Unterschied bleibt aber dennoch relativ groß.

Masken und lokale Anpassungen

Natürlich habe ich auch ein wenig mit Masken experimentiert. Eine Himmelsmaske ist beispielsweise vorhanden. Allerdings zeigt sich am Übergang zwischen Himmel und Landschaft eine sehr deutliche Kante. Dadurch lassen sich stärkere Kontrastanpassungen kaum sinnvoll einsetzen, weil die entstehenden Halos dann sehr auffällig werden.

Es war auch nicht möglich, die Kante wie in Lightroom mit einem mittlerweile verfügbaren Weichzeichnungseffekt (Feather) zu entschärfen. Alternativ könnte man – ähnlich wie in Photoshop – eine Verlaufsmaske verwenden, um den Effekt im fertigen Bild zu reduzieren. Eine entsprechende Möglichkeit, Masken über eine Schnittmengen-Einstellung (Intersect) miteinander zu kombinieren, ist in Lightcraft allerdings vorhanden.

Ist Lightcraft schon ein Ersatz für Lightroom?

Alles in allem muss man feststellen, dass Lightcraft zumindest derzeit keinesfalls als Ersatz für Lightroom angesehen werden kann. Meines Erachtens funktioniert bereits die grundlegende Darstellung einer RAW-Datei hinsichtlich Schärfe, Kontrast und ähnlicher Eigenschaften nicht zufriedenstellend. Von den weiteren Werkzeugen ganz zu schweigen.

Lightcraft: Eine Alternative zu Lightroom?

Bei kleineren Bildformaten, wie sie beispielsweise in sozialen Medien üblich sind, fallen die Unterschiede möglicherweise kaum auf. Arbeitet man jedoch mit einer Ansicht von 100 Prozent oder sogar 200 Prozent, werden sie sehr deutlich. Besonders auffällig sind die ausgeprägten Kanten zwischen hellen und dunklen Bereichen sowie ein zusätzlicher heller Streifen, der dort entstehen kann.

Open Source als Chance – und mögliche rechtliche Fragen

Lobenswert ist dennoch, dass es mit Lightcraft eine Open-Source-Alternative gibt, die sich allerdings noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet. Hoffentlich wird das Projekt weiterentwickelt.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwieweit Adobe, aber auch Microsoft, eine solche Nachbildung ihrer Programme ohne Weiteres hinnehmen werden. Schließlich wurden viele Funktionen sehr ähnlich umgesetzt und die Oberflächen orientieren sich stark an den Originalen.

Der Quelltext wurde dabei nicht einfach kopiert, weshalb nicht automatisch von einer direkten Urheberrechtsverletzung ausgegangen werden kann. Dennoch kann ich mir nur schwer vorstellen, dass die großen Konzerne diese Entwicklung ohne Weiteres ignorieren werden. Sie müssen damit rechnen, dass die Apps im Laufe der Zeit besser werden und möglicherweise tatsächlich einige Nutzer dazu bewegen, auf die Alternativen umzusteigen. Ob und welche rechtlichen Schritte daraus entstehen könnten, lässt sich daraus allein allerdings nicht ableiten.

Wie einfach ist der Umstieg von Lightroom?

Ein weiterer Punkt sollte nicht vergessen werden: Beim Wechsel von Lightroom zu einer anderen Anwendung stellt sich das Problem, dass die Entwicklungseinstellungen im Lightroom-Katalog gespeichert sind. Diese Bearbeitungen lassen sich nicht ohne Weiteres übertragen.

Dabei geht es nicht nur darum, dass jeder RAW-Konverter Einstellungen unterschiedlich interpretiert. Eine Belichtungskorrektur von +5 oder eine Sättigungseinstellung von +10 kann in einem anderen Programm ein anderes Ergebnis liefern. Noch schwieriger wird es bei Masken und anderen komplexen Bearbeitungen, die inzwischen ebenfalls in den entsprechenden Adobe-Dateien gespeichert werden.

Deshalb wäre ich vorsichtig, Lightcraft einfach als Klon zu bezeichnen. Die Ähnlichkeit der Oberfläche und der Funktionen allein bedeutet noch nicht, dass sich bestehende Lightroom-Workflows problemlos übernehmen lassen.

Fazit

Aus Sicht der Nutzer ist diese Entwicklung grundsätzlich zu begrüßen. Es ist positiv, wenn Alternativen zu vergleichsweise teuren Programmen entstehen und auf mehreren Betriebssystemen zur Verfügung stehen.

Lightcraft ist derzeit allerdings noch kein vollwertiger Ersatz für Lightroom. Insbesondere bei der Bilddarstellung und den Bearbeitungsmöglichkeiten gibt es aus meiner Sicht noch deutlichen Verbesserungsbedarf. Trotzdem bleibt das Projekt interessant – gerade weil es Open Source ist und sich noch weiterentwickeln kann.

Auch Rapid Raw habe ich bereits einen Folgeartikel gewidmet, den ich an dieser Stelle ebenfalls verlinke.

ciao tuxoche

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