Nach fast 11 Jahren und aufgrund eines Hardwarefehlers war es einfach an der Zeit, den Server neu aufzubauen. Hier sind meine Erfahrungen
Einleitung

Mein selbstgebauter Linux-Server, der zunächst mit Debian und später mit OpenMediaVault betrieben wurde, hat schon einige Jahre hinter sich. Aufgrund eines Hardwareausfalls habe ich damals vor 11 Jahren, im Jahr 2015, den Server von Grund auf neu aufgebaut. Dies beinhaltete ein neues Gehäuse, damals von Corsair, ein neues Mainboard sowie natürlich Netzteile und andere Kleinteile. In der Zwischenzeit gab es einige Wechsel, zum Beispiel auf das Dateisystem ZFS und einen Wechsel des Mainboards mit einem Intel-Prozessor I3-10.400.
Vor einigen Wochen meldete mir Linux in den Log-Dateien, dass auf dem Mainboard wohl ein zwar korrigierbarer Fehler auf dem PC-I-Slot 3 vorhanden wäre. Aber es machten sich auch einige Ausfälle bemerkbar , dass sich das gesamte System entweder gar nicht über WOL aufwecken ließ oder wenn dann nicht sauber durchschaltete. Das war für mich das Alarmzeichen, nachdem ich mittlerweile 11 Jahre den Server sauber von Grund auf neu aufbauen wollte.
Ich habe zu meinen Erfahrungen auch ein Video aufgenommen:
Die Recherche
Nach einigen Recherchen habe ich mich schließlich für das Jonsbo N5-Gehäuse entschieden. Es verfügt über zwölf Schächte für Festplatten und sollte auch für die Zukunft ausreichen. Aufgrund der Gehäuseabmessungen war es auch bequemer, da hier auch ein normales ATX-Mainboard verwendet werden konnte, was mehr Flexibilität, insbesondere bei den PC-I-Slots und den SATA-Anschlüssen gewährleistet. Das Jonsbo N5-Gehäuse ist im Vergleich zu einem kommerziellen NAS-Gehäuse relativ groß und wuchtig, bietet aber genügend Platz, um hier ein ATX-Mainboard unterzubringen, mit sämtlichen Verkabelungen.Geradee aber die Flexibilität bei der Auswahl des Mainboards war ideal.

Das Mainboard
Die Auswahl des Mainboards war ein kleines bisschen eingeschränkt, weil ich aufgrund der zurzeit sehr hohen RAM-Preise mein RAM aus dem alten Gerät weiter benutzen wollte und dabei handelt es sich noch um DDR4. Es ist schließlich ein MSI Tomahawk-Mainboard, das mit bis zu 128 GB RAM ausgestattet werden kann und auch sechs SATA-Anschlüse verfügt. Diesmal habe ich es mit einer AMD-Ryzen -CPU 5 5600CT versucht, die diese teilweise mit mehr Kernen, also eine höhere Leistung versprechen, trotz geringerer Stromaufnahme.

Der Aufbau
Der Aufbau des neuen Servers mit dem Mainboard war eigentlich problemlos, wenn man bedenkt, dass man die SATA-Anschlüsse beziehungsweise deren Verkabelung zuerst im Gehäuse verlegt und nach oben führt, damit sie dort schließen an dem Mainboard angeschlossen werden können.
Ich habe mit einer zusätzliche PCI Karter weitere 4 SATA Anschlüsse nachgerüstet, so dass ich dann die SSD, die zum Starten des Systems dient oben im Gehäuse verbauen konnte.
Andere NAS Betriebsbsysteme
Ich habe aber die Gelegenheit genutzt und auf dem System, bevor mein altes System endgültig umgezogen ist, mehrere Tests mit verschiedenen NAS-Betriebssystemen durchgeführt. Der letzte Test, den ich durchgeführt habe, wurde vor drei Jahren nur auf virtuellen Maschinen durchgeführt. Das gibt zwar einen Eindruck hinsichtlich der Installation, Benutzerfreundlichkeit und so weiter der verschiedenen Systeme. Aber bei der Messung der Geschwindigkeit dürfte das hinsichtlich der Vergleichbarkeit Probleme ergeben. Deshalb habe ich nacheinander verschiedene Betriebssysteme ausprobiert und mit einer 10-GB-Netzwerkkarte die Geschwindigkeit gemessen. Die Messergebnisse seht ihr unten.

Entgültiger Aufbau
Nach den Tests bin ich dabei geblieben, es bei OpenMediaVault und dem ZFS-Dateisystem zu belassen, auch weil bei den anderen Systemen Caching-Optionen und so weiter kaum etwas bringen. Wo man jetzt drauf achten muss und das habe ich festgestellt. Beim Zusammenbau ist die Belüftungssituation der Festplatten. Hierbei muss man wissen, dass der Festplattenraum im unteren Teil des Projekts sozusagen zweigeteilt ist, nämlich einmal für acht Festplatten hochkant, die direkt vor Lüften sitzen, so dass hier ein besserer Luftstrom herrscht. Und vier weitere Festplatten, die liegend in einem anderen Abteil eingebaut werden können. Bei den großen Exos-Festplatten, die wirklich die maximale Bauhöhe für 3.5 Zoll Festplatten erreichen, führt dies aber dazu, dass hier der Zwischenraum zwischen zwei Festplatten relativ knapp ist. Und da sich hier von diesem Abteil auch kein dedizierter Lüfter befindet, hat dies dazu geführt, dass hier bei diesen Festplatten erhöhte Temperaturen entstanden sind, gerade wenn Datensicherungen durchgeführt worden sind.

Das habe ich dann später nochmal umgekramt und diese Festplatten des ehemaligen ZFS in das belüftete Teil für die Festplatten untergebracht. In dem anderen Teil habe ich nun die vier Terabyte-Festplatten aus meinem alten Nass verbaut. Die sind von der Bauhöhe her wesentlich dünner, so dass sie auch ohne dedizierte Belüftung ein besserer Luftstrom herrscht und die Festplatten ohnehin dann nicht so warm werden.
Snapraid

Hier habe ich mich allerdings dafür entschieden, wie ich es schon mal hatte, ein Snapraid aufzubauen. Da ich hier die insgesamt 4 × 4 Terabyte-Festplatten benutzen konnte und eine vorhandene 6-Terabyte-Platte als Parityplatte einbauen konnte. Hier werden Daten gespeichert , die sich im wesentlichen nicht mehr verändern. Das sind insbesondere zum Beispiel die Videoprojekte für YouTube. Werden diese jetzt auf diesem RAID gespeichert, um die Perity zu schreiben, wird hier jedes Mal bei einem Reboot ein entsprechendes Skript aufgerufen, das die Parity im Bedarfsfall für neu hinzugekommene oder gelöschte Dateien neu aktualisiert.
Sobald ein Videoprojekt mit dem Upload auf Youtube abgeschlossen ist, wanderen die Projektdateien vom ZFS RAID auf das Snparid, wo sie archiviert werden. Gleiches gilt für ISO Dateien oder Images, die mit Clonezilla erstellt werden und sich sehr selten änndern.
Kapazität
Verbaut sind jetzt insgesamt 9 HDD, 4×16 TB in einem RAID-Z2 und 4×4 TB + die schon erwähnte Paritiy Platte mit dann insgesamt 16 TB für das Snapraid. Die 128Gb SSD zum Starten der Openmedaivault Installation sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Stromverbrauch
Der Stromverbrauch hält sich ebenfalls in Grenzen. Ich habe hier einmal die verschiedenen Zustände (Idle,Normal und Last) gemessen.

Allerdings muss ich klarstellen, dass die 81 W unter Last lediglich die 4×16 TB Festplatten während eines Backups betgrifft. Das Snapr-Raid Array steht dann nicht unter Last.
Fazit
Nach mittlerweile 8 Monaten, in denen ich das neue System fahre, kann ich nur sagen, dass sich der Neubau gelohnt hat.
ciao tuxoche
